Das Wichtigste in den ersten Sekunden des Alarms
Wenn Sie eine Sirene hören oder eine Benachrichtigung auf Ihrem Handy erhalten, kommt es darauf an, nicht zu erstarren und schon gar nicht, ein Video zu drehen, sondern einige einfache Handgriffe auszuführen. Hier der grundlegende Ablauf:
- Unterbrechen Sie das, was Sie gerade tun – versuchen Sie nicht, Ihre Tätigkeit noch „schnell zu Ende zu bringen“.
- Prüfen Sie, woher das Signal stammt – aus einer offiziellen App oder von einem Lautsprecher (siehe den Abschnitt zu den Warnquellen weiter unten).
- Nehmen Sie Handy, Powerbank, Dokumente und Wasser mit – halten Sie diese Grundausstattung von vornherein griffbereit.
- Gehen Sie zügig, aber ruhig zum nächstgelegenen Schutzraum.
- Ist kein Schutzraum in der Nähe, wenden Sie die „Zwei-Wände-Regel“ an.
Das ist keine bloße Vorsichtsmaßnahme: In der Ukraine bedeutet ein Luftalarm eine reale Gefahr durch Raketen- oder Drohnenangriffe, und die Reaktionszeit misst sich manchmal in Minuten.
Die Zwei-Wände-Regel: wenn kein Schutzraum erreichbar ist
Schaffen Sie es nicht rechtzeitig in einen Schutzraum, rettet Sie die Zwei-Wände-Regel. Das Prinzip ist einfach: Zwischen Ihnen und der Außenwand des Gebäudes sollten mindestens zwei massive Trennwände liegen. Die erste Wand fängt den Hauptdruck und Splitter ab, die zweite schützt Sie.
In der Praxis heißt das:
- Gehen Sie in einen Flur, ein Badezimmer oder einen anderen innenliegenden Raum ohne Fenster.
- Halten Sie Abstand zu Fenstern, Glastüren und Spiegeln – die größte Gefahr bei einem Einschlag ist nicht die Druckwelle selbst, sondern umherfliegende Glassplitter.
- Bleiben Sie nicht auf dem Balkon und gehen Sie nicht hinaus, um „nachzusehen“.
- Setzen Sie sich auf den Boden und schützen Sie Ihren Kopf mit den Händen.
Die Zwei-Wände-Regel ist eine Übergangslösung. Zieht sich der Alarm hin oder hören Sie Explosionen, wechseln Sie bei der ersten sicheren Gelegenheit dennoch in einen vollwertigen Schutzraum.
Wo Sie den nächsten Schutzraum finden: offizielle Karten und Apps
In der Ukraine gibt es ein staatliches Netz von Schutzräumen, deren Standorte auf offiziellen Karten verzeichnet sind. Für Reisende aus dem Ausland ist der verlässlichste Weg nicht, Passanten zu fragen, sondern geprüfte Quellen zu nutzen:
- Die offizielle App „Air Alert“ (Luftalarm-Warn-App) – zeigt den Alarmstatus je Region in Echtzeit an und sendet Push-Benachrichtigungen. Verfügbar im App Store und bei Google Play.
- Schutzraumkarten der örtlichen Behörden. In vielen Städten (unter anderem in Kyjiw) gibt es interaktive Schutzraumkarten auf den offiziellen Portalen der Stadtverwaltung. Suchen Sie auf der offiziellen Website der jeweiligen Gemeinde nach „Schutzraumkarte + Stadtname“.
- Google Maps kennzeichnet ebenfalls einige Schutzräume, ist aber keine offizielle Quelle – nutzen Sie es nur ergänzend.
- Metrostationen in Kyjiw und Charkiw dienen während eines Alarms offiziell als Schutzräume.
Ein Tipp: Fragen Sie gleich nach Ihrer Ankunft im Hotel oder in der Wohnung den Gastgeber oder an der Rezeption, wo der nächste Schutzraum liegt, und gehen Sie den Weg bei Tageslicht einmal ab. Ein paar Minuten Vorbereitung sparen im Ernstfall wertvolle Zeit.
Handlungsszenarien: Zuhause, auf der Straße, im Verkehr, in der Metro
Zuhause. Wechseln Sie nach der Zwei-Wände-Regel in einen innenliegenden Raum oder gehen Sie in den Schutzraum, sofern es einen im Gebäude oder in der Nähe gibt. Benutzen Sie nicht den Aufzug – bei Stromausfall können Sie stecken bleiben. Halten Sie Schuhe und eine „Notfalltasche“ am Ausgang bereit.
Auf der Straße. Suchen Sie den nächsten Schutzraum, eine Unterführung oder eine Metrostation auf. Ist nichts davon in der Nähe, entfernen Sie sich von Schaufenstern, hohen Gebäuden und geparkten Autos, legen Sie sich in eine natürliche Geländevertiefung (Graben, Mulde) und schützen Sie Ihren Kopf.
Im Verkehr. Der Fahrer eines öffentlichen Verkehrsmittels ist verpflichtet anzuhalten und die Fahrgäste aussteigen zu lassen. Verlassen Sie das Fahrzeug ruhig und gehen Sie zum nächsten Schutzraum. Im eigenen Auto fahren Sie an den Straßenrand, halten an und begeben sich an einen geschützten Ort; bleiben Sie nicht in der Nähe von Brücken, Überführungen oder Tankstellen im Auto.
In der Metro. Sie befinden sich bereits an einem der sichersten Orte. Treten Sie vom Bahnsteigrand zurück und warten Sie die Entwarnung ab. Achten Sie auf die Durchsagen des Personals.
Offizielle Warnkanäle: wo Sie den Status in Echtzeit prüfen
Damit Sie keinen Alarm verpassen und – ebenso wichtig – die Entwarnung rechtzeitig mitbekommen, verlassen Sie sich ausschließlich auf offizielle Kanäle:
- Die App „Air Alert“ – die wichtigste Quelle für Push-Benachrichtigungen auf Ukrainisch und Englisch.
- Sirenen und Lautsprecher des Warnsystems in den Städten.
- Die offiziellen Telegram-Kanäle der Militärverwaltungen jener Region, in der Sie sich gerade befinden.
- Website und Apps mit Alarmkarte, die offizielle Daten der Regionen bündeln.
Die Entwarnung wird auf dieselbe Weise verkündet wie der Alarm selbst. Verlassen Sie den Schutzraum nicht allein deshalb, weil es ringsum ruhig geworden ist – warten Sie das offizielle Signal ab.
Warum das direkt Ihre Versicherung betrifft
Trotz aller Vorsichtsmaßnahmen bleibt eine Reise in ein Land, in dem das Kriegsrecht gilt, ein Gebiet mit erhöhtem Risiko, und übliche Reiseversicherungen decken solche Situationen in der Regel nicht ab. Eine spezialisierte Versicherung mit Deckung von Kriegsrisiken kostet nur wenige Euro pro Tag und kann medizinische Kosten infolge kriegsbedingter Ereignisse übernehmen. Abschließen können Sie sie im Voraus – es empfiehlt sich, den Preis zu berechnen und die Police zu kaufen, noch bevor Sie in die Ukraine einreisen.
Beachten Sie die territorialen Ausschlüsse: Die Deckung gilt in der Regel nicht in vier Zonenkategorien – Kampfgebiete gemäß staatlichen Rechtsakten; vorübergehend besetzte Gebiete; ein 50-Kilometer-Pufferstreifen um beide dieser Zonen; sowie Gebiete mit besonderem Zugangsregime. Das sind keine „ganzen Regionen“, sondern konkrete Zonen, deren Status offizielle Dokumente festlegen. Planen Sie Ihre Route so, dass Sie außerhalb dieser Zonen bleiben.
Kurzes Fazit
Ein Luftalarm ist eine beherrschbare Situation, wenn Sie den Ablauf kennen. Installieren Sie die offizielle Warn-App, machen Sie den nächsten Schutzraum vorab ausfindig, merken Sie sich die Zwei-Wände-Regel und handeln Sie ruhig nach dem Szenario für Ihre Situation. Die Vorbereitung dauert nur wenige Minuten – und sie rettet Leben.