Das Wichtigste in zwei Sätzen
Der ukrainische Luftraum bleibt 2026 für zivile Passagierflüge geschlossen – das gilt seit Februar 2022 und hat sich nicht geändert. Wer eine Reise plant, gelangt daher ausschließlich über die Landgrenzübergänge ins Land und muss im Inneren mit einer Ausgangssperre rechnen, die je nach Oblast unterschiedlich ist.
Wenn Sie vorhatten, nach Kiew oder Lwiw zu fliegen – diese Option steht derzeit nicht zur Verfügung, und keine Fluggesellschaft führt solche Flüge legal durch. Im Folgenden zeigen wir den funktionierenden Weg statt des nicht funktionierenden.
Warum der Luftraum gesperrt ist und was das praktisch bedeutet
Die zivile Luftfahrt über der Ukraine wurde durch Beschluss staatlicher Stellen aufgrund der Sicherheitslage eingestellt. Die Flughäfen Boryspil, Lwiw, Odessa und andere nehmen keine Passagierflüge an und starten keine. Jedes Angebot von „Flugtickets nach Kiew“ ist entweder der Weiterverkauf eines Bodentransfers oder schlicht Betrug.
Was das für Reisende ändert:
- Sie fliegen in ein Nachbarland (meist Polen, Moldau, Rumänien, Slowakei oder Ungarn) und reisen von dort mit Bahn, Bus oder Auto weiter.
- Die Fahrzeit von der Grenze bis zu den großen Städten ist erheblich: Planen Sie selbst ohne Wartezeiten mehrere Stunden ein.
- Die Wartezeiten an der Grenze sind unvorhersehbar. Zu Fuß geht es manchmal schneller als mit dem Auto.
Der funktionierende Einreiseweg: Schritt für Schritt
Schritt 1: Zu einem Drehkreuz in Grenznähe fliegen. Die beliebtesten Flughäfen sind Warschau, Rzeszów, Chișinău, Bukarest und Krakau. Rzeszów liegt auf polnischer Seite am nächsten an der ukrainischen Grenze.
Schritt 2: Zum Grenzübergang gelangen. Aus Polen sind das vor allem Medyka–Schehyni, Krakiwez und Hruschiw; aus Moldau Palanka und weitere; aus Rumänien Siret; aus der Slowakei Uschhorod (Vyšné Nemecké). Die aktuelle Liste der geöffneten Übergänge und die Auslastung finden Sie auf der offiziellen Website des ukrainischen Staatlichen Grenzschutzdienstes.
Schritt 3: Die Grenze überqueren. Angehörige vieler Länder reisen für bis zu 90 Tage visumfrei ein; die Visabestimmungen hängen von Ihrer Staatsangehörigkeit ab – gleichen Sie diese vor der Reise mit der offiziellen Website des ukrainischen Außenministeriums ab.
Schritt 4: Ins Landesinnere weiterreisen. Am zuverlässigsten ist Ukrzaliznytsia (die ukrainische Eisenbahn): Die Züge verkehren auch während Luftalarmen nach Fahrplan, Tickets gibt es online. Auch Busunternehmen sind im Einsatz.
Schritt 5: Die Ankunft unter Berücksichtigung der Ausgangssperre planen (siehe nächster Abschnitt) – damit Sie nicht während der Sperrzeit unterwegs sind.
Ausgangssperre: Warum sie unterschiedlich ist
Eine einheitliche Ausgangssperre für die gesamte Ukraine gibt es nicht. Sie wird von den regionalen Militärverwaltungen festgelegt und ist in jeder Region anders. In den meisten vergleichsweise ruhigen Oblasten gilt sie etwa von Mitternacht bis 5 Uhr morgens, in frontnahen Regionen kann sie jedoch deutlich früher beginnen – etwa um 22 Uhr oder noch früher – und in einzelnen Gemeinden mitunter rund um die Uhr gelten.
Während der Ausgangssperre ist es untersagt, sich ohne Sondergenehmigung auf Straßen und Wegen zu bewegen. Das gilt für Fußgänger ebenso wie für Fahrzeuge. Bei Verstößen droht eine Festnahme zur Klärung des Sachverhalts.
Die wichtigste Regel für Reisende: Verlassen Sie sich nicht auf alte Artikel und Foren. Die Sperrzeiten ändern sich, und was letzten Monat galt, kann längst aktualisiert worden sein.
Wo Sie die aktuellen Sperrzeiten prüfen
Prüfen Sie vor der Abreise und bei Ankunft in jeder neuen Region:
- Die offizielle Website oder die offiziellen Kanäle der regionalen Militärverwaltung der Oblast, in die Sie reisen. Dort werden die geltende Ausgangssperre und deren Änderungen veröffentlicht.
- Den Staatlichen Grenzschutzdienst der Ukraine – zum Betrieb der Grenzübergänge und den Wartezeiten.
- Die offizielle Luftalarm-App (Air Alert) sowie die regionalen offiziellen Telegram-Kanäle der Militärverwaltungen – um in Echtzeit über Alarme Bescheid zu wissen.
- Ihr Hotel oder Ihre Gastgeber – das Personal kennt in der Regel den lokalen Zeitplan und die Schutzraumregeln genau.
Verlassen Sie sich nicht auf eine einzige Quelle: Gleichen Sie die offiziellen Zeiten der Militärverwaltung am Vortag Ihrer Weiterreise ab.
Praktische Kleinigkeiten, die wirklich helfen
- Bargeld + Karte. Kartenzahlung ist weit verbreitet, doch unterwegs und in kleineren Städten rettet Bargeld in Hrywnja die Situation.
- Lokale SIM oder eSIM. Der Mobilfunk funktioniert stabil, bei Stromausfällen sollten Sie jedoch eine Powerbank dabeihaben.
- Offline-Karten und Zugfahrpläne laden Sie vorab herunter.
- Dokumente. Der Pass gehört immer griffbereit – Kontrollen sind möglich, besonders in den Stunden vor der Ausgangssperre.
- Tagesplanung. Schließen Sie alle Fahrten mit Zeitpuffer vor Beginn der Beschränkungen ab, nicht „auf den letzten Drücker“.
Versicherung: Warum das keine Formsache ist
Gewöhnliche Reiseversicherungen decken Risiken im Zusammenhang mit Kampfhandlungen fast nie ab. Für eine Reise in die Ukraine sollten Sie daher eine spezialisierte Versicherung abschließen, die gerade Kriegsrisiken berücksichtigt. Am Markt gibt es solche Policen ab wenigen Euro pro Tag – den genauen Preis für Ihre Reisedaten sehen Sie, wenn Sie ein Angebot berechnen lassen.
Achten Sie auf die territorialen Ausschlüsse: Der Schutz erstreckt sich in der Regel nicht auf vier Zonenkategorien:
- Kampfgebiete gemäß den Rechtsakten staatlicher Stellen;
- vorübergehend besetzte Gebiete;
- eine 50 Kilometer breite Pufferzone rund um die beiden genannten Kategorien;
- Gebiete mit besonderem (speziellem) Zugangsregime.
Das bedeutet: Die Police gilt im größten Teil des Landes, in den Zivilpersonen tatsächlich reisen, deckt aber die gefährlichsten Gebiete nicht ab. Planen Sie Ihre Route so, dass Sie innerhalb des Geltungsbereichs bleiben, und gleichen Sie den Status einer konkreten Region stets mit offiziellen Quellen ab.
Kurz gefasst: Was vor der Reise zu tun ist
- Suchen Sie nicht nach Flügen in die Ukraine – es gibt keine. Fliegen Sie zu einem Drehkreuz in einem Nachbarland.
- Wählen Sie einen Landgrenzübergang und prüfen Sie dessen Betrieb auf der Website des Staatlichen Grenzschutzdienstes.
- Ermitteln Sie die Ausgangssperre für jede Region auf der Website der jeweiligen Militärverwaltung – und tun Sie das am Vortag der Weiterreise erneut.
- Planen Sie Fahrten so, dass Sie während der Beschränkungen nicht unterwegs sind.
- Schließen Sie eine Versicherung mit Deckung von Kriegsrisiken ab und beachten Sie die vier Ausschlusszonen.